Mein Abschluss-Redebeitrag von der TVStud-Aufwärmdemo 2017-12-16:
Ihr habt’s mitbekommen, die TU Berlin wird eigenmächtig am 1.1.2018 die Löhne ihrer TVStud-Beschäftigten auf 12,50 Euro erhöhen, also um gut 14 %.
Ich arbeite seit 2010 mit Unterbrechungen für die TU, bin jetzt in meinem 9. Vertrag, und das ist die erste Lohnerhöhung, die ich sehe. Sie kommt ganz gelegen, denn mein Vermieter möchte gerne im neuen Jahr die Miete um 15 % erhöhen.
Aber die TU-Erhöhung kann nicht das Ende vom Lied sein. Wir wollen einen soliden und berlinweiten Tarifabschluss.
Das ist unser Ziel für 2018.
Zum 1.1. fassen Menschen ja oft gute Vorsätze, die sie dann nicht einhalten. Ihr Fehler ist, sich irgendwelche tristen Dinge vorzunehmen – häufiger den Abwasch machen und so. Der Trick ist, sich etwas Cooles vorzunehmen!
Und was gibt es cooleres als Domino-Day? Vielleicht kennt ihr das, das war so eine Fernsehshow in den 00er-Jahren, wo Leute riesige Domino-Felder aufbauten und umkippen ließen. Das ist ziemlich toll anzusehen.
Ich möchte, dass wir uns für 2018 alle gemeinsam vornehmen, Domino-Day zu spielen. Es geht darum, verschiedene Kettenreaktionen vorzubereiten und in Gang zu setzen. Ein-zwei Tutorien, die ausfallen, ein-zwei eingeschränkte Bib-Öffnungszeiten und dergleichen, werden keine Hochschule in die Knie zwingen. Aber wenn zwei-drei Module, ganze Bibliotheken oder Exzellenzanträge auf der Kippe stehen, dann können ganze Unis fallen. Und wenn wir es schaffen, dass zwei oder drei Hochschulen in Berlin kippen, ist uns ein berlinweiter Tarifabschluss sicher.
Ich möchte, dass wir uns folgende drei Dinge vornehmen:
- Organisieren – die Domino-Reihen aufstellen; dazu gehört:
- Kolleg*innen ansprechen,
- Telegram+Whatsapp-Gruppen etc. einrichten, Treffen vereinbaren,
- ..Basisgruppen in Instituten bilden, sich mit anderen vernetzen, ein-zwei sollten Kontakt zu hochschulweiten oder berlinweiten Strukturen halten,
- und vor allem: Gewerkschaften beitreten.
- Verbündete finden – damit die anderen Hochschulmitglieder Teil der Kettenreaktion werden und nicht versuchen, sie zu hemmen.
- Vor allem geht es um Fachschaften und studentische Cafés.
- Aber auch Kolleg*innen: Profs, WiMis, Menschen in Sekretariaten. Wenn wir streiken, sollen sie sich deshalb nicht heroisch doppelt abarbeiten, sondern die Leitungsebenen auffordern, ihnen bei der Lösung von Problemen zu helfen.
- Und natürlich die Studierenden in eigenen Tutorien und Bibliotheken!
- Selbstbewusst sein – wir müssen uns dann auch trauen, die Kettenreaktionen auszulösen.
In der Zeit seit unserer letzten Lohnerhöhung haben Stromanbieter den kWh-Preis von 14,32 Cent auf 29,16 Cent erhöht. Anbieter von Leistungen können das tun.
Wir sind die Anbieter*innen unserer Arbeitskraft. Wir bestimmen den Preis.
Nach 32 Jahren ohne Streik, 17 Jahren ohne Lohnerhöhung und 7 Jahren gescheiterten TVStud-Verhandlungen ist es okay – und vielleicht notwendig, dass wir den Hochschulen mal ein paar Tage den Strom unserer Arbeit abstellen.
In diesem Sinne, genießt die Feiertage, sammelt Kraft und Ideen für 2018, wünscht euch ein Megaphon zu Weihnachten und nächstes Jahr spielen wir Domino-Day!