Sechs Jahre später

Phu, ist das hier eine gottverlassene Ecke des Internets! Ein Blick in die Aufrufstatistik suggeriert zwar, mrkeks.net würde noch viel aufgerufen. Vermutlich sind das jedoch alles Spam-Bots. Oder Aufrufe von mir, wenn ich wieder sentimental an die Zeiten denke, als mein Leben noch okay war und ich das hier öffentlich im Internet dokumentierte.

Einmal alle paar Quartale hat mich irgendetwas auf mrkeks.net stolpern lassen. Und ab und zu sprechen mich Leute auf die Inhalte dieser Seite an. Von 2006 bis 2009 dokumentierte ich hier recht reichhaltig, woran ich so arbeitete und worüber ich nachdachte. Das war einerseits eine Fortsetzung meiner alten Programmierer-Website – damals hatten Coder keine GitHub-Profile, sondern private Websites mit ihren Projekten. Andererseits beteiligte ich mich durch dieses Blog am myblog.de-Trend meiner Echt-Welt-Freunde – nur dass ich als Coder natürlich meine eigene Blog-Software in PHP+MySQL zusammenklöppeln musste. Das war eigentlich eine ganz gute Art, verschiedene Aspekte meines Lebens zusammenzuführen.

Aber dann…

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so recht, warum ich aufhörte, hier zu schreiben. Es drängt sich auf, folgenden Dingen die Schuld zu geben:

  1. Dem Studium und der Arbeit: Na klar, seit ich 2008 anfing zu studieren, dünnte sich meine Aktivität auf dieser Seite aus. Auf den ersten Blick reicht das fast als Erklärung. Mir scheint’s zu billig. Darum folgen weitere Nummern. ;)
  2. Der Politik: Ich habe in den letzten Jahren recht viel Zeit mit linker Studi-Politik verbracht. Über die spannenden Seiten davon hätte ich hier nicht viel schreiben können, ohne Vertraulichkeiten von Gruppen, in denen ich arbeitete, zu brechen oder anderweitig dämliche Rückkopplungen zu erzeugen. Und naja, ich verwende auch sehr viel Zeit dafür, Oganisationsöffentlichkeitsarbeit z.B. auf Facebook und Twitter zu machen, anstatt meine private Sicht der Dinge herauszuarbeiten.
  3. Der Entfremdung: In meinen politischen Zusammenhängen ist es recht unüblich, individuelle Autorenschaft für seine Erzeugnisse zu beanspruchen. Als studentische Hilfskraft an der Uni habe ich ebenfalls Dinge entwickelt und Hausaufgabenblätter verfasst, auf denen schließlich nicht mein Name stand. Und auch zu Texten, die ich fürs Studium schrieb, baute ich kein so persönliches Verhältnis auf wie zu Hausaufgaben-Stuff, den ich hier teils während meiner Schulzeit einstellte.
  4. Facebook: Heutzutage muss man ja aus irgendeinem Grund auf Facebook mitspielen, um halbwegs ökonomisch mit seinen Freund*innen so zu kommunizieren, wie ich es mal über diese Seite tat. Und ehrlich gesagt hat mir Facebook Internet-Kommunikation etwas verdorben: Man sieht viel deutlicher, wie dermaßen sich keine Sau für das interessiert, was man selbst wichtig findet – bzw. wie wenig der Facebook-Feed-Algorithmus das persönlich Relevante weiterträgt – und wie einfach man Reichweite mit Stumpfsinn entfalten kann.
    Dazu kommt noch dieses generelle entfremdliche Unbehagen, dass die eigene Kommunikation einem auf Facebook nicht mehr gehört, sondern sich in Facebooks Formalismus fügen muss und dabei manipuliert, observiert und enteignet wird.
    Zusammengefasst nutzte ich darum für vieles, was einst über diese Seite lief, Facebook und zugleich reduzierte ich dieses Verhalten, weil es auf Facebook weniger Spaß macht.

All diese Dynamiken wirken eigentlich immer noch. Aber indem ich sie hier reflektiere, vielleicht kann ich sie ja dadurch austricksen.

In den nächsten Monaten möchte ich hier einige meiner theoretischen, informatischen, politischen und gestalterischen Arbeiten der letzten Jahre nachtragen und kommentieren. Ich will mir meine Bröckchen Wissensgesellschaft der letzten sechs Jahre zurückerobern. Mal sehen, ob ich das schaffe.

P.S. Ich war gerade gaaanz kurz davor, das Projekt aufzugeben: Als ich für den Beitrag auf „Veröffentlichen“ klickte, kam eine WordPress-Fehlermeldung. Danach wurde ich auf einen sehr alten Entwurfsstand dieses Textes zurückgesetzt. Ich wollte schon weinend weglaufen und dieses Drecks-WordPress wieder deinstallieren. Nur dank des Network-Tabs in den Chromium-Entwickler-Tools konnte ich an das HTTP-POST-Request kommen, das noch den Text enthielt… Und ich dachte, WordPress sollte auch für Nicht-Programmierer benutzbar sein? xD

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